Armend Xhaferi und Bassist Nenad Vasilic bringen uns Balkanjazz bei

 

Makedionske devojce

 

Going East, und zwar unter der vertrauensvollen Führung des Bassisten Nenad Vasilic, der mal von seiner Balkan Band und dem Saxofonisten Vladimir Karpov (mit dem übrigens für Februar eine Duo-CD mit dem Berliner Gitarristen Andreas Brunn ins Haus steht) Urlaub nimmt und mit dem Gitarristen Armend Xhaferi, der mal Urlaub von seiner Marimanaga Group nimmt. Auf dem Cover ihres Albums "Beyond Another Sky" [Extraplatte EX 790-2] nicht erwähnt sind der emsige Perkussionist Bayram Istrefi jr. und als Gäste die unhörbare Sängerin Karolina Style und der unüberhörbare Kavel-Spieler Nedyalko Nedyalkov. Stichworte zur Vorauseinschätzung der faszinierenden Veranstaltung sind das "Balkan Fever Festival" und, was Xhaferi angeht, so genannter "Panbalkanischer Gitarrenjazz". Crossovers aus Balkan-Folk und Jazz scheinen, vertraut man rein quantitativ dem Internet, ein brummender Trend zu sein. Unser Berliner Freund Andreas Brunn würde das ganz bestimmt bestätigen. Er steckt schließlch mittenmang, mal hier, mal dort, jedenfalls völkerverbindend [vgl. hier].

Bassit Vasilic spielt mal Upright-, mit Vorliebe aber E-Bass. Gitarrist Armend bleibt hauptsächlich akustisch an der Steelstring. Nedyalkovs Kaval, die mazedonisch-bulgarische Flöte, sorgt gelegentlich für fast irische Küsten-Schwermut. Auch sonst gibt's nichts Befremdliches, sondern tatsächlich faszinierend handgemachte interkulturelle Musik, die grundsätzlich stark wurzelt im ethnischen Humus der Balkanregionen, sich dann aber entweder aus fokloristisch-rhetorischen Wiederholungen mit offenen Saiten oder aus virtuos und unbefangen jonglierten Akkorden als Jazz herausschält, der wehmütige Erinnerungen wach ruft an Joachim Ernst Berendts einstige Ost-West- Unternehmungen für MPS, damals mit allem Drum und Dran, hier halt im kleineren, undomestiziert-kammermusikalischen Format, was Gitarre-Freunden so viel Freude macht.

Vasilic ist virtuos als Begleiter wie in der Handhabung des E-Bass als Soloinstrument (Aladar Pege ante portas) in so wohlklingenden Titeln wie "Moj Golube", in "Hapi syte e zi", im Schlusstitel "Arskabug" oder in dem Duo-Stück mit der Flöte, "Makedionske devojce". Die hat noch ein nicht minder suggestives, aber auch anstrengendes Duo-Stück, nur mit Perkussion. Drei Stücke hintereinander mit der Kaval sind nichts für jedermann. Da empfiehlt sich ein bisschen Leder auf dem Trommelfell.

"Janina" ist Armends Stück, noch sehr in der folkloristischen Tradition belassen, wogegen sein "Hajredinn Pasha" neben "Lulis" das jazzigste ist. Armend Xhaferi ist eher der Muntermacher, Vasilic eher der Schwermüter, und das geht gut zusammen. Nein, nicht gut: exzellent.

Das ist für uns neue, eigen-artige, fesselnde Musik, Folk & Jazz, von großer unmittelbarer Kraft und Intensität, unpoliert, ungeschliffen, ungeschminkt, unkorrumpiert, echt. Davon könnte, davon sollte es ruhig etwas mehr geben.

 

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